Hegemoniekonflikt und Universität

Die Jenaer Philosophie zwischen den Weltkriegen

Bruno Bauch 1918–19: Die Gründung der deutschen philosophischen Gesellschaft

Bruno Bauch gründet zusammen mit seinem Jenaer Kol­legen Max Wundt im Frühjahr 1917 die Deutsche Phi­lo­so­phische Gesell­schaft. Sie soll als Gegen­ge­wicht zur inter­na­tional aus­ge­rich­teten Kant-Gesell­schaft agieren. In den Fol­ge­jahren sollte die Gesell­schaft zu einem wich­tigen Scharnier zwi­schen natio­nal­kon­ser­va­tiven, völ­ki­schen und natio­nal­so­zia­lis­tisch ori­en­tierten Phi­lo­sophen werden. Zudem pflegt sie rege Kon­takte zu völ­kisch-deutsch­na­tio­nalen Ver­bänden und Orga­ni­sa­tionen: zur DNVP, dem all­deut­schen Verband, zum Stahlhelm und zur „Gesell­schaft deut­scher Staat“, deren Vorsitz Max Wundt 1925 übernimmt.

Trei­bende Kraft hinter der Gründung war Arthur Hoffmann, ehe­ma­liger Assistent Bauchs und Leiter der Erfurter Orts­gruppe der Fichte-Gesell­schaft. Die Fich­te­ge­sell­schaft hatte sich das Ziel gesetzt, das „Gemein­schafts­er­lebnis“ vom August 1914 neu zu beleben. Sie setzte dafür auf eine Über­windung gesell­schaft­licher Gegen­sätze durch die Besinnung auf eine gemeinsame Natio­nal­kultur. In diesem Sinne will sie eine „Erbauung aus dem Geist des deut­schen Idea­lismus“ leisten.

„Gegen Ratio­na­lismus und Dog­ma­tismus, gegen Mate­ria­lismus und Rela­ti­vismus, die alle vier dem deut­schen Wesen fremd, ja feind sind, gilt es mit den geis­tigen Waffen reiner und strenger Wis­sen­schaft zu kämpfen für eine deutsche idea­lis­tische Welt­an­schauung, die unser Volk nach den Erschüt­te­rungen des Welt­krieges nötiger haben wird als je.“

Grün­dungs­er­klärung der Deut­schen Phi­lo­so­phi­schen Gesellschaft

In der von der Gesell­schaft ver­öf­fent­lichten Zeit­schrift „Bei­träge zur Phi­lo­sophie des deut­schen Idea­lismus“, seit 1927 „Blätter für deutsche Phi­lo­sophie“ ver­suchen Autoren wie Bauch, Hoffmann, Boehm und Engert eine solche „deutsche idea­lis­tische Welt­an­schauung“ auszuarbeiten.

Im Anschluss an die Ideen des süd­deut­schen Neu­kan­tia­nismus gehen sie davon aus, dass sich die Bildung von Gemein­schaft durch den Einsatz für die Rea­li­sierung abso­luter Werte voll­zieht. Dabei schreiben sie ver­schie­denen „Völkern“ und Indi­viduen je eigene Weisen der Erfassung und Rea­li­sierung dieser Werte zu. Sie gehen so davon aus, dass sich so die unter­schied­lichen „Völker“ gerade durch die Besinnung auf das Eigene in einer gemein­samen Mensch­heits­kultur wech­sel­seitig ergänzen können. Ihrer Auf­fassung nach war es Deutsch­lands Aufgabe im Welt­krieg, ein so ver­stan­denes „Plu­ri­versum der Kul­turen“ gegen eine uni­forme Zivi­li­sation zu verteidigen.

Darüber hinaus werden ver­schie­denen „Völkern“ unter­schied­liche Fähig­keiten für das Erfassen und Rea­li­sieren von Werten zuge­schrieben. Damit wird die beschriebene Vielfalt in einer gemein­samen Mensch­heits­kultur unter der Hand zu einer Hier­archie zwi­schen den ein­zelnen Nationen. Zudem wird, etwa bei Bauch, die zu schaf­fende Kul­tur­ge­mein­schaft nicht nur von einem gemein­samen Boden und einem gemein­samen Staat abhängig gemacht. Auf dieser Grundlage wird dann zwi­schen „Gast-“ und „Wirts­völkern“ unter­schieden und Jüdinnen und Juden aus dem Kreis der Kul­tur­ge­mein­schaften ausgeschlossen.

Damit treibt die Deutsche Phi­lo­so­phische Gesell­schaft die Pola­ri­sierung und Spaltung auch der phi­lo­so­phi­schen Öffent­lichkeit während der Wei­marer Republik voran. Sie begünstigt damit auch eine Radi­ka­li­sierung der Diskurse.

Der Vor­sit­zende der Deut­schen Phi­lo­so­phi­schen Gesell­schaft Felix Krueger kann 1933 fest­stellen, dass die Gesell­schaft eine Umstellung nicht vor­zu­nehmen braucht, weil sie seit je die geis­tigen Strö­mungen unter­stützt hat, die mit der „natio­nalen Revo­lution“ zur Herr­schaft gekommen sind. 1934 teilt der Vor­stand der Deut­schen Phi­lo­so­phi­schen Gesell­schaft mit: „Vieles von dem, was wir erstrebt und für das wir gear­beitet, ist durch die nationale Revo­lution der Erfüllung näher gebracht. Aber das ent­bindet uns nicht von der Pflicht, sondern ver­pflichtet uns gerade in unserer unmit­tel­baren Gegenwart erst recht, in die Auf­bau­arbeit deut­scher Welt­an­schauung die Kräfte deut­scher Phi­lo­sophie einzusetzen.“

Literatur

Wolfgang Fritz Haug (Hrsg.), Deutsche Phi­lo­sophen 1933, Hamburg 1989.

Thomas Laugstien, Phi­lo­so­phie­ver­hält­nisse im deut­schen Faschismus, Hamburg 1990.

Christian Tilitzki, Die deutsche Uni­ver­si­täts­phi­lo­sophie in der Wei­marer Republik und im Dritten Reich. 2 Bände, Berlin 2002.

Bildnachweis

Deck­blatt, Hin­ter­grundbild Anhang und Bild

  • Titel: Bruno Bauch, vor 1920
  • Autor: unbe­kannt
  • Quelle: http://phaidon.philo.at/asp/bbauch.htm
  • bear­beitet von SB

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