Hegemoniekonflikt und Universität

Die Jenaer Philosophie zwischen den Weltkriegen

Bruno Bauch 1929–33: Aufschwung und Werden der Nation

Die in den frühen Schriften ent­wi­ckelten grund­le­genden wert­phi­lo­so­phi­schen Über­le­gungen werden von Bauch bis in die 30er Jahre wei­ter­ge­führt. So arbeitet er mit Gegen­über­stel­lungen, deren grund­le­gende Kon­turen schon in den Über­le­gungen zum Begriff der Nation ent­wi­ckelt worden sind: Einer auf äußere mate­rielle Zwecke bezo­genen Zivi­li­sation stellt er die „wahre Kultur“ und ihren inneren, auf „echte Werte“ bezo­genen Gehalt ent­gegen. Auch hier geht er davon aus, dass die Kultur erst in der Nation ihre kon­krete Gestalt und im „Volk“ ihre natür­liche Grundlage findet und dass die „natür­liche Abstam­mungs­ge­mein­schaft die Grundlage des Ver­stehens bildet: „Aber kann der Ange­hörige eines Volkes das Geis­tes­leben anderer Völker auch nur ver­stehen, wenn ihm nicht zuvor das Ver­ständnis für den Geist des eigenen Volkes auf­ge­schlossen worden ist?“ Ebenso wird diese Gegen­über­stellung letzt­endlich anti­se­mi­tisch aus­ge­deutet: Während hier „bloße Zivi­li­sa­ti­ons­li­te­raten“ sich ein luxu­riöses Dasein ver­schaffen und – er erwähnt hier Freud und Ein­stein – die Wis­sen­schaft zum Mittel ihrer „Geschäftsgier“ her­ab­wür­digen, erfolgt dort die selbstlose Hingabe an den Wert der Wahrheit um ihrer selbst willen.

Diese grund­sätz­liche Aus­richtung wird in poli­ti­scher Hin­sicht zusätzlich dadurch zuge­spitzt, dass Bauch sich zumindest nach dem 30. Januar 1933 von den neuen Macht­habern die Umsetzung seiner phi­lo­so­phi­schen Vor­stel­lungen erhofft. Das freilich nicht unge­brochen. So warnt er davor, Kultur und Bildung in den Abgrund zu drängen. Gegen die For­de­rungen nach einer „NS-Hoch­schul­re­vo­lution“ schreibt er, dass die „Miß­achtung des Geis­tigen“ ein noch uner­kanntes Erbe des der deut­schen Kultur feind­lichen Mate­ria­lismus sei.

Ein sich auf das Erbe der deut­schen Kultur bezie­hender Natio­nal­so­zia­lismus aber wird, so die Erwartung, das von ihm ent­wi­ckelte Ver­ständnis von der Bestimmung der Nation verwirklichen. 

„Wir haben in Deutschland den wun­der­baren Umschwung und Auf­schwung erlebt, in dem das deutsche Volk sich gefunden und zur Nation zu werden begonnen hat.“

Bruno Bauch 1933

Zu diesem Werden der Nation hat auch die Phi­lo­sophie bei­zu­tragen. „An dieser Sendung mit­zu­ar­beiten und mit­zu­wirken, ist eines jeden heilige Pflicht und Aufgabe, ganz besonders der deut­schen Wis­sen­schaft und innerhalb dieser vor allem der deut­schen Phi­lo­sophie.“ So erscheint es nur kon­se­quent, dass Bauch zu den März­wahlen 1933 den Wahl­aufruf für die NSDAP unterzeichnet.

Literatur

Bruno Bauch, Nation und Erziehung, in: Deut­sches Adels­blatt. Nr. 14, Jg. 51, April 1931, S. 222–223.

Bruno Bauch, Wert und Zweck, in: Blätter für deutsche Phi­lo­sophie. Zeit­schrift der deut­schen phi­lo­so­phi­schen Gesell­schaft. Band 8, Berlin 1934/35, S. 39–59.

Bruno Bauch, Erb­anlage, Erziehung und Geschichte, in: Blätter für deutsche Phi­lo­sophie. Zeit­schrift der deut­schen phi­lo­so­phi­schen Gesell­schaft. Band 15, Berlin 1941/41, S. 46–68.

Bildnachweis

Deck­blatt, Hin­ter­grundbild Anhang und Bild 1

  • Titel: Bruno Bauch, vor 1920
  • Autor: unbe­kannt
  • Quelle: http://phaidon.philo.at/asp/bbauch.htm
  • bear­beitet von SB

Bild 2

  • Titelbild Deut­sches Adels­blatt. Nr. 14, Jg. 51, April 1931
  • Quelle: SB

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