Hegemoniekonflikt und Universität

Die Jenaer Philosophie zwischen den Weltkriegen

Landesgeschichte 1924–28: Die Ordnungsbund-Regierung

Die zweite Hälfe der 20er Jahre gilt als Phase der Sta­bi­li­sierung der Wei­marer Republik. Die Inflation von 1923 war über­wunden, es setzte ein leichter wirt­schaft­licher Auf­schwung ein und unter Gustav Stre­semann konnte sich die Republik auch außen­po­li­tisch konsolidieren.

In Thü­ringen lagen die Dinge etwas anders. Nach dem Ein­marsch der Reichswehr und dem Rück­tritt der Regierung von SPD, USPD und KPD im Dezember 1923 kam es zu Neu­wahlen. Bei diesen gewann der „Thü­ringer Ord­nungsbund“ ins­gesamt 48 Prozent der Stimmen. Im Ord­nungsbund hatten sich DDP, DVP, DNVP und der Thü­ringer Landbund zusam­men­ge­schlossen, um die rot-rot-rote Lan­des­re­gierung abzu­lösen. Aller­dings ver­fehlten sie die absolute Mehrheit. Die unter Leu­theußer (DVP) gebildete Regierung blieb auf die Tole­rierung durch die „Ver­ei­nigte Völ­kische Liste“ bzw. den „Völ­kisch-sozialen Block“ unter Artur Dinter ange­wiesen. Damit kommt es hier zur Zusam­men­arbeit kon­ser­va­tiver und völ­ki­scher Kräfte.

Das hatte seinen Preis: Der radikale Anti­semit und völ­kische Best­sel­ler­autor Dinter setzte sich für die Ent­lassung von Juden aus Regie­rungs- und Beam­ten­stellen ein. Unter anderem konnte er die Absetzung des jüdi­schen Staats­bank­prä­si­denten Walter Loeb durch­setzen. Außerdem erwirkte er noch im März 1924 eine Auf­hebung des Verbots der NSDAP und anderer völ­ki­scher Grup­pie­rungen. Thü­ringen erhielt damit eine ent­schei­dende Bedeutung für den deutsch­land­weiten Neu­aufbau der NSDAP. So hielt sie in Weimar 1926 ihren ersten Reichs­par­teitag nach ihrer Wie­der­gründung ab. 1925 wird Dinter dafür von Hitler zum Gau­leiter für Thü­ringen ernannt.

Die „Ordnungsbund“-Regierung arbeitete auch an einer Rück­nahme der hoch­schul­po­li­ti­schen Reformen aus der Ära Greil/Fröhlich. Auf Antrag der Uni­ver­sität beschloss sie die Auf­lösung der erzie­hungs­wis­sen­schaft­lichen Abteilung. Ein Aus­schuss aus natur­wis­sen­schaft­licher und phi­lo­so­phi­scher Fakultät sollte künftig die Leh­rer­bildung leiten.

Literatur

Ludger Gre­vels­förster. Kleine Geschichte der Wei­marer Republik. Ein pro­blem­ge­schicht­licher Über­blick, Münster 2003.

Karsten Rudolph, Die Thü­ringer Arbei­ter­be­wegung vom Kai­ser­reich bis zum Ende der Wei­marer Republik, Erfurt 2018.

Bildnachweis

Deck­blatt und Bild 1

  • Titel: Richard Leu­theußer 1920
  • Autor: unbe­kannt
  • Quelle: Reichstags-Handbuch, I. Wahl­pe­riode 1920, Hrsg., Büro des Reichstags, Berlin 1920
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Leutheu%C3%9Fer#/media/-Datei:Leutheu%C3%9FerRichard1920.jpg
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Bild 2

  • Titel: Arthur Dinter, Gau­leiter Thüringen
  • Autor: unbe­kannt
  • Quelle: Bun­des­archiv, Bild 119‑1416 / CC BY-SA 3.0 DE
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Hin­ter­grundbild Anhang

  • Titel: ehe­ma­liger Thü­ringer Landtag, heute Hoch­schule für Musik Franz Liszt Weimar
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