Hegemoniekonflikt und Universität

Die Jenaer Philosophie zwischen den Weltkriegen

Max Wundt 1914–18: Die Erfahrung des ersten Weltkrieges

Am ersten Welt­krieg hatte Max Wundt als Offizier teil­ge­nommen. Diese Erfah­rungen sollten sein Werk ent­scheidend prägen. Auf die Ein­drücke einer scheinbar alle inner­ge­sell­schaft­lichen Gegen­sätze über­win­denden Kriegs­be­geis­terung aus den August­tagen von 1914 und der Kame­rad­schaft im Front­alltag wird er fortan immer wieder zurück­kommen. Diese Zeit gilt ihm als wich­tiger Höhe­punkt der deut­schen Geschichte. Mili­tä­rische Prin­zipien werden zum Vorbild für den gesamten Gesell­schafts­aufbau. „Befehl und Gehorsam sind der geschicht­liche Grund alles staat­lichen Lebens.“ Auch die zen­tralen Sprach­muster der Ideen von 1914: Lyri­sierung, die Behauptung unver­söhn­licher polarer Gegen­sätze, ein alle Kul­tur­ge­biete aus­ge­dehnter Natio­na­lismus und die Ver­wendung einer reli­giösen Diktion lassen sich in den Schriften Wundts wiederfinden.

1920 wird er als Nach­folger Rudolf Euckens an die Uni­ver­sität Jena berufen.

„Mit dem Willen zum Tode erhob sich das deutsche Volk zu der höheren Welt­an­sicht, zu der Welt des Geistes und der Wahrheit. Denn der Wille zum Tode ist der Ent­schluß, das Sinn­liche nicht als das Letzte und Höchste gelten zu lassen, sondern es hin­zu­geben für das Übersinnliche.“

Max Wundt 1922

Im Abschluss an die „Ideen von 1914“ inter­pre­tiert er die natio­nalen Front­stel­lungen des ersten Welt­krieges als mora­lische Gegen­sätze: Auf der einen Seite stehen der Ego­ismus, die Zwei­fels­sucht und die Bin­dungs­lo­sigkeit der West­mächte. Dem setzt Deutschland den Dienst des Ein­zelnen für die Gemein­schaft, den Glauben und die Treue ent­gegen. Der deut­schen Kriegs­führung wird so eine sitt­liche Mission zur Ver­tei­digung von „Kultur“ und „Geist“ zuge­schrieben. So kann er dem sinn­losen Sterben an den Fronten eine angeblich tiefere phi­lo­so­phische Bedeutung verleihen. 

Damit bewegt Wundt sich noch im all­ge­meinen Fahr­wasser der „Ideen von 1914. Eine ent­schei­dende Ver­schärfung voll­zieht er, wenn er die Gescheh­nisse des ersten Welt­krieges auf die Formel redu­ziert: „Geld oder Geist.“ Damit kann er die skiz­zierten Gegen­sätze anti­se­mi­tisch inter­pre­tieren. Er schreibt „den Juden“ die Ver­ant­wortung für die deutsche Nie­derlage zu.  „Man wird nicht leugnen können, daß die Juden einen wich­tigen Anteil an dieser Ent­wicklung haben […]. So sind sie als Träger der Ver­neinung unserem Volkstum ein­ge­impft, die dunkle Drohung mit dem Abgrund des Nichts in dem hellen, zur bestimmten Form gestal­teten ger­ma­ni­schen Leben.“ Der Anti­se­mi­tismus wird in der Folge zu einem festen Bestandteil der Wundt­schen poli­ti­schen Schriften.

Schon hier ist die Phi­lo­sophie das zen­trale Medium der von Wund gefor­derten natio­nalen Selbst­be­sinnung. Sie ist jedoch nicht aus­rei­chend. Gefordert wird der Übergang in die Politik: „Worte können uns über­haupt nicht helfen. Es bedarf der Tat, der unbe­dingten, ihres Zieles gewissen und durch nichts von ihrem Wege abzu­len­kenden Tat. Jeder Ein­zelne, an den das Bewußtsein deut­sches Geis­tes­werte gelangt ist, muß ent­schlossen allem Fremden und äußerlich Ange­nom­menen den Abschied geben und sich ganz erfüllen lassen von dem, was er als Deut­scher als seinen eigensten Besitz erkennt.“

Literatur

Max Wundt, Vom Geist unserer Zeit, München 1922.

Bildnachweis

Deck­blatt, Hin­ter­grundbild Anhang und Bild

  • Titel: Max Wundt
  • Autor: Char­lotte Gröger
  • Quelle: Uni­ver­si­täts­archiv Tübingen; https://www.leo-bw.de/web/guest/detail/-/Detail/details/DOKUMENT/ubt_portraits/54511/Wundt+Max
  • bear­beitet von SB

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