Hegemoniekonflikt und Universität

Die Jenaer Philosophie zwischen den Weltkriegen

Max Wundt 1929–33: Völkische Mobilisierung gegen die Republik

Nicht nur phi­lo­so­phisch, sondern auch poli­tisch erweist sich Wundt während seiner Tätigkeit an der Uni­ver­sität Jena in den 20er Jahren als äußerst umtrie­biger Brü­cken­bauer zwi­schen der natio­nal­kon­ser­va­tiven und der völ­ki­schen Rechten. Er gehört zu den Pro­fes­soren, die die Oppo­sition der geis­tigen Eliten und Beamten der Wei­marer Republik in eine bewusste Unter­stützung des Natio­nal­so­zia­lismus überführen.

Er ist Grün­dungs­mit­glied der „Deut­schen phi­lo­so­phi­schen Gesell­schaft“, ab 1925 Vor­sit­zender der „Gesell­schaft deut­scher Staat“, einer wich­tigen Ver­mitt­lungs­in­stanz zu DNVP, Stahlhelm, dem All­deut­schen Verband etc., und schreibt für ver­schiedene völ­kische Zeitschriften.

1929 nimmt er einen Ruf an die Uni­ver­sität Tübingen an. Im selben Jahr wird er Mit­glied in Rosen­bergs „Kampfbund für deutsche Kultur“. Während des NS ist er im Sach­ver­stän­di­gen­beirat der „For­schungs­ab­teilung Juden­frage“ tätig. Zudem ver­fasst er Bei­träge für das Projekt „Das Deutsche in der deut­schen Phi­lo­sophie“, mit dem die Natio­nal­so­zia­listen die Leis­tungs­fä­higkeit der deut­schen Phi­lo­sophie nach der Ver­treibung jüdi­scher und anders­den­kender Mit­ar­beiter an den phi­lo­so­phi­schen Insti­tuten unter Beweis stellen wollten. Auch wenn diese offene Unter­stützung des Natio­nal­so­zia­lismus in die Zeit nach seiner Berufung an die Uni­ver­sität Tübingen im Jahre 1929 fällt, voll­ziehen sich die ent­schei­denden geis­tigen Umori­en­tie­rungen schon während seiner Tätigkeit als Pro­fessor am phi­lo­so­phi­schen Seminar der Uni­ver­sität Jena. An seinem Werk lassen sich auch die Kräf­te­ver­schie­bungen innerhalb des völ­ki­schen Lagers während der Wei­marer Republik ablesen.

Literatur

Manfred Hantke, Von braunen und anderen Geistern. Die Tübinger Phi­lo­sophen Max Wundt und Theodor Haering in Wei­marer Republik und Natio­nal­so­zia­lismus, in: https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/70140

Bildnachweis

Deck­blatt, Hin­ter­grundbild Anhang und Bild 1

  • Titel: Max Wundt
  • Autor: Char­lotte Gröger
  • Quelle: Uni­ver­si­täts­archiv Tübingen; https://www.leo-bw.de/web/guest/detail/-/Detail/details/DOKUMENT/ubt_portraits/54511/Wundt+Max
  • bear­beitet von SB

Bild 2

  • Titel: Plakat „Völ­kische Tagung“
  • Autor: DNVP, Ernst-Klett Verlag
  • Quelle: Uni­ver­si­täts­archiv Tübingen; https://www.leo-bw.de/web/guest/detail/-/Detail/details/DOKUMENT/wlb_plakate/00002846/V%C3%B6lkische+Tagung+Dr+Wundt++%22Staat+und+Volksbildung%22+%3B+v+Porembsky++%22Erblehre+und+Volksgesundheit%22+%3B+%22Die+Bedeutung+der+v#

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